Odeon Chôro Quintett

  • Charly Baur: Bandoneon, Klarinette
  • Jürg Kindle: Bandolim,Gitarre                                                                                         
  • Ralph Hufenus:Kontrabass
  • Richard Kronig: Gitarre, Cavaquinho                                                                                       
  • Markus van Grinsven : Pandeiro, Percussion        

 

► Nächstes Konzert 27.Mai 2016

Kaffeehaus St.Gallen

Linsenbühlstr.77 St. Gallen

 

Chôro - der brasilianischer Blues 

Die Kunst- und Salonmusik des 19.Jahrhunderts stand ganz im Zeichen von Chopin, der als europäischer „Popstar“ des Jahrhunderts gefeiert wurde. Portugiesische Auswanderer begannen im 19. Jahrhundert in Brasilien mit den verfügbaren Instrumenten europäische Salonmusik mit afro- brasilianischen Rhythmen und der melancholischen portugiesischen Fado-Musik  zu mischen und schufen so einen eigenen Stil, den Chôro. Er wird auch als brasilianischer Blues bezeichnet. (port. chôrar = weinen).Gleichzeitig entstanden in Buenos Aires der Tango, in den USA der Ragtime oder in Kuba der Son. Während der argentinische Tango die europäischen Tanz-Salons im frühen 20. Jahrhundert eroberte,  führte die brasilianische Chôro Musik ein Schattendasein. Der argentinische Tango wurde von europäischen Einwanderern in Buenos Aires kreiert und blieb eine rein europäische Erfindung. Demgegenüber ist die brasilianische Chôromusik eng mit der Begegnung der afrikanischen und der europäischen Kultur verknüpft. Aus der Chôromusik ist später auch der bekannte Sambastil hervorgegangen. Der durchschlagende Erfolg des argentinischen Tangos brachte die brasilianischen Chôrokomponisten dazu, ihre Stücke unter dem Namen „Tangos Brasileiras“ in Umlauf zu bringen.

Jürg Kindle, Gründer des „Odeon Chôro Quintett“, hat sich während 15 Jahren intensiv mit der Chôro Musik befasst und ist bei der Quellenforschung auf eine musikalische Goldgrube gestossen. „Odeon“ möchte diese verlorenen Raritäten einem breiteren Publikum wieder zugänglich machen. Schwindelerregende virtuose Melodien wie auch melancholische Themen paaren sich mit vorwärtstreibenden synkopierten Rhythmen und verströmen das von Sehnsucht, Nostalgie und Wehmut geprägte Lebensgefühl der portugiesischen Auswanderer sowie auch der afrikanischen Sklaven welches in dem Wort „Saudades“ seinen Ausdruck findet.  Ein garantiertes Musikerlebnis mit Seltenheitswert.


 

Tagblatt Online, 22. Mai 2012 01:07:33

Odeon Chôro Quintett begeisterte

RHEINECK. Im Rahmen der Encore-Konzertreihe der Musikschule Am Alten Rhein gastierte das Odeon Chôro Quintett im vollbesetzten Rheinecker Rathaussaal mit brasilianischer Musik vom Feinsten.

Die fünf Musiker um den Bandolimspieler Jürg Kindle boten eine mitreissende Konzertmatinee, die sich neben der musikalischen Qualität der Stücke vor allem auch durch das aussergewöhnliche Können der Künstler auszeichnete. Im Zentrum stand der Chôro, eine Stilrichtung, die sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als erste eigenständige brasilianische Musik etablierte. Mit Ernesto Nazareth, einem der Protagonisten des Chôros, begann ein faszinierendes Kaleidoskop der brasilianischen Musik mit ihren afrikanisch beeinflussten Rhythmen und europäisch inspirierten Melodien. Das Odeon Chôro Quintett präsentierte sich als bestens eingespielte Gruppe, die präzise Rubati und rhythmisch komplexe Melodielinien stilsicher miteinander verband. Ihre kammermusikalisch durchgearbeiteten Arrangements nutzten geschickt die unterschiedlichen Klangfarben der fünf Instrumente.

Das Publikum wiederum liess sich schnell von der guten Laune der brasilianischen Rhythmen anstecken. Bei «Flor amoroso», einem der ersten Chôros überhaupt, überraschte der Akkordeonist Hansjörg Rohner mit Glissandi, die den üblichen technischen Rahmen des Instruments zu sprengen schienen. Garant für den treibenden Puls war die hervorragende Rhythmusgruppe mit Olaf Köhler an der Gitarre, Ralph Hufenus, Kontrabass, und Markus van Grinsven, Percussion. Folgerichtig durften die umjubelten Künstler erst nach der zweiten Zugabe das Konzert beenden und sich beim anschliessenden Apéro unter die Gäste mischen. (RT)

 

 

 

Richard